6. Netzwerktreffen des Kommunalen Klimaschutznetzwerks Ebersberg-München
Kommunales Energiemanagement: Energiesparen beginnt mit guter Planung
Kommunen ziehen zur Halbzeit des Klimaschutznetzwerks Bilanz und tauschen Erfahrungen zur Einführung eines kommunalen Energiemanagements aus.
Energie sparen, Kosten senken und gleichzeitig den Klimaschutz voranbringen: Für Kommunen liegt darin großes Potenzial – doch der Weg dorthin braucht gute Planung und Struktur. Wie kommunales Energiemanagement (KEM) erfolgreich aufgebaut und dauerhaft verankert werden kann, war Thema des sechsten Netzwerktreffens des Kommunalen Klimaschutznetzwerks Ebersberg-München am 30. September in Pullach im Isartal.
Energieagentur Ebersberg-München gGmbHZur Halbzeit des auf drei Jahre angelegten Netzwerks gab Sebastian Gröbmayr vom Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) seitens des Netzwerkmanagements einen Überblick über die aktuellen Fortschritte und die Zielerreichung: 38 Prozent der von den beteiligten Kommunen geplanten CO₂-Einsparungen sind bereits erreicht. Bei der operativen Umsetzung liegen die Kommunen im Schnitt bei 53 Prozent Zielerreichung, bei der politischen und planerischen Verankerung bei 33 Prozent.
„Ich finde es wunderbar, aktiv im Netzwerk mitzuwirken. Der Austausch ist sehr wichtig, um neue Impulse zu bekommen, voneinander zu lernen und gute Ansätze in die Breite zu bringen.“, sagte Pullachs Erste Bürgermeisterin Christine Eisenmann dazu bei der Begrüßung.
KEM ist mehr als eine Software: Marktübersicht und technische Details
In den Fachvorträgen wurde deutlich, dass kommunales Energiemanagement weit über das Erfassen von Energieverbräuchen hinausgeht. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Technik, Organisation und den Verantwortlichen, die täglich mit den Gebäuden und Anlagen arbeiten.
„Für erfolgreiches Energiemanagement braucht es sowohl eine technische als auch eine organisatorische Struktur“, betonte Heiko Bernhardt, Kommunalberater bei der Energieagentur Ebersberg-München, der gemeinsam mit Martin Czepan, Energie- und Klimaschutzberater beim INEV, in das Thema einführte. Czepan präsentierte den Teilnehmenden eine fundierte Marktübersicht bestehender KEM-Lösungen und beleuchtete wesentliche technische Details sowie Anforderungen an digitale Schnittstellen
Genau darin liegt für viele Kommunen eine der größten Herausforderungen: Hausmeister und Haustechnik müssen ebenso eingebunden werden wie Verwaltung, IT und Gebäudenutzer. Auch die Auswahl geeigneter Hard- und Software sowie die Sensibilisierung der Nutzer gehören zum Aufbau eines funktionierenden Energiemanagements. Ergänzt wurde dieser Themenblock durch zwei praxisnahe Impulsvorträge aus der Software- und Systementwicklung: Jonas Zimmermann (Kolibri software & systems GmbH) erläuterte den Weg vom reinen Energieverbrauch hin zu einem ganzheitlichen Gebäudemanagement, während Knud Clausen (econ solutions GmbH) konkrete Anwendungsmöglichkeiten eines systematischen KEM in der kommunalen Praxis vorstellte.
Mit kleinen Schritten anfangen
Dass sich der Aufbau eines Energiemanagements finanziell auszahlt, belegte Carla Kronsbein von der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) bei der Vorstellung des Werkzeugs „Kom.EMS classic“ mit konkreten Zahlen: „Unabhängig von der Größe einer Kommune – kommunales Energiemanagement rentiert sich immer.“
Fehlende personelle und finanzielle Ressourcen können laut Kronsbein einen negativen Kreislauf in Gang setzen: Werden Energie-Einsparpotenziale in kommunalen Gebäuden nicht systematisch erkannt und genutzt, steigen die Bewirtschaftungskosten weiter. Dadurch werden die finanziellen Spielräume immer kleiner. Ein strategisches Energiemanagement könne helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Ihr Rat an Kommunen, die noch am Anfang stehen: „Klein anfangen.“ Zunächst können einzelne Gebäude unter die Lupe genommen und einfache, kostengünstige Maßnahmen umgesetzt werden – etwa der Einbau smarter Heizkörperthermostate oder die Information und Sensibilisierung der Gebäudenutzer. Anschließend könne das Vorgehen Schritt für Schritt auf weitere Gebäude übertragen werden.
Erfahrungen aus Neuried und Pullach
Wie dieser Weg in der Praxis aussehen kann, zeigten die Erfahrungsberichte aus Neuried und Pullach. Beide Kommunen sind bei der Einführung eines Energiemanagements bereits weit fortgeschritten und berichteten aus der praktischen Umsetzung.
Dabei zeigte sich: Die Technik ist nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Abläufe und die Bereitschaft aller Beteiligten, Veränderungen aktiv mitzutragen. Wie das Ganze vor Ort in der Realität aussieht, konnten die Teilnehmenden zum Abschluss des Treffens direkt selbst in Augenschein nehmen: Bei einer Besichtigung der neu installierten Messeinrichtungen im Heizungskeller des Rathauses Pullach wurde kommunales Energiemanagement direkt am Objekt erlebbar gemacht.
Das nächste Netzwerktreffen findet am 26.11.2026 in Kirchheim zum Thema „Eigenerzeugungs- und Verbrauchsoptimierung in der Stromversorgung“ statt.
Über das Kommunale Klimaschutznetzwerk Ebersberg-München
Das Kommunale Klimaschutznetzwerk (KSN) Ebersberg-München ist ein auf drei Jahre angelegter interkommunaler Verbund von 17 Städten und Gemeinden aus vier oberbayerischen Landkreisen. Ziel des Netzwerks ist es, kommunale Energieeffizienz- und Klimaschutzpotenziale strukturiert zu heben, CO₂-Emissionen nachhaltig zu senken und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch auf operativer wie auch strategischer Ebene zu fördern. Die Netzwerkarbeit verbindet regelmäßige Fach- und Arbeitstreffen zu aktuellen Schwerpunktthemen mit einer individuellen fachtechnischen Begleitung der teilnehmenden Kommunen bei konkreten Umsetzungsprojekten. Das Netzwerk wird in enger Kooperation fachlich begleitet und gesteuert durch die Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV) und die Energieagentur Ebersberg-München gGmbH.
Die im Klimaschutznetzwerk Ebersberg-München mitwirkenden Kommunen sind namentlich: Anzing, Poing und Zorneding (alle Landkreis Ebersberg), Baierbrunn, Feldkirchen, Haar, Hohenbrunn, Kirchheim, Neubiberg, Neuried, Planegg, Pullach, Schäftlarn, Straßlach-Dingharting, Unterhaching (alle Landkreis München), Fahrenzhausen (Landkreis Freising) und Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck).


