Lichtverschmutzung eindämmen – Alle können helfen!

Das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ 2019 hat gezeigt, dass für immer mehr Menschen Naturschutz und Erhalt der Artenvielfalt ein wichtiges Anliegen sind. Das Thema Lichtverschmutzung ist in diesem Zusammenhang vielen noch kein Begriff.

Lichtverschmutzung - auch die Glühwürmchen leidenschlick/photocase.de

Auch die Glühwürmchen leiden

Dabei sind 60 % aller Insektenarten dämmerungs- und oder nachtaktiv. Auch Säugetiere wie Fledermäuse oder Igel und viele weitere Tierarten sind von der mittlerweile oft dauerhaften künstlichen Erhellung der Nacht negativ betroffen. Die ökologische Nische der nachtaktiven Lebewesen geht zunehmend verloren.Nicht zuletzt aber kann zu viel Kunstlicht auf Dauer auch uns Menschen krank machen, sagen Schlafforscher. Insbesondere das blaue Licht von modernen LEDs oder Bildschirmen aller Art hält uns wach und kann zu chronischen Schlafstörungen führen.

Die Lichtverschmutzung ist inzwischen so stark, dass bereits mehr als die Hälfte der Europäer die Milchstraße nicht mehr sehen kann. Damit geht nicht nur ein Kulturgut des Menschen – die Beobachtung des natürlichen Nachthimmels – schleichend verloren, sondern für viele Organismen auch die ökologische Nische „Lebensraum Nacht“.

Die Würmtalgemeinden haben das Problem erkannt und versuchen, in ihrem Einflussbereich vorbildlich zu handeln.

In Planegg wird die Straßenbeleuchtung bereits seit 2010 sukzessive auf energiesparende LEDs umgestellt. Hier kamen in den ersten Jahren noch Leuchten mit sehr weißem Licht mit einer Lichtfarbe von 4000 Kelvin zum Einsatz, das ungünstig für Insekten ist. Seither wurden die LEDs stetig weiterentwickelt. Seit 2018 verwendet Planegg nur noch LEDs mit deutlich insektenfreundlicherem Licht von 3000 K. Bei allen seit 2018 installierten Leuchten wird die Beleuchtung außerdem in den Nachstunden zwischen 22:00 und 5:00 Uhr automatisch auf 50% der Leistung herunter gedimmt, beispielsweise in Teilbereichen der Hofmarkstraße. Auch bei der 2015 neu gebauten Beleuchtung des Radwegs Planegg-Neuried ist diese Nachtabsenkung programmiert worden (leider wurden auch zu diesem Zeitpunkt noch LEDs mit 4000 K verbaut). Sobald die älteren LEDs ihre Lebensdauer erreicht haben werden (nach ca. 10-12 Jahren) ist geplant, auch hier nur noch welche mit 3000 K oder je nach Weiterentwicklung sogar darunter einzusetzen. Gleiches gilt natürlich auch für die weitere Umrüstung älterer Straßenlampen auf LEDs. Die neuen Leuchten sind auch alle nach unten ausgerichtet und beleuchten nur einen relativ kleinen Bereich der Straße, strahlen also nicht zur Seite oder nach oben ab. Die gemeindlichen Gebäude werden zum größten Teil nachts nicht beleuchtet. Ausnahmen sind die nächtliche Anstrahlung des Kupferhauses sowie das Logo das beleuchtete Logo der Musikschule. Hier sind die Leuchten so geschalten, dass gemäß gesetzlicher Vorgabe nach Art. 9 BayImSchG um 23 Uhr das Licht ausgeht.

Was können Privathaushalte zur Eindämmung von Lichtverschmutzung beitragen?

Privathaushalte können Licht als dauerhafte Dekoration im Gartenbereich grundsätzlich hinterfragen. Bei beleuchteten Erschließungswegen sollte darauf geachtet werden, dass das Licht nur nach unten strahlt und nicht nach oben oder zur Seite streut. Bewegungsmelder können eingesetzt werden. Und die Lampen sollten möglichst niedrig angebracht werden. Zudem sollten vollständig abgeschlossener Lampengehäuse gegen das Eindringen von Insekten und Gehäuse verwenden werden, deren Oberflächen nicht heißer als 60°C werden. Licht aus Fenstern und Glasfronten von beleuchteten Innenräumen wenn möglich durch Roll- und Fensterläden oder Jalousien weitestgehend abschirmen. Und last but not least sollten Leuchten mit einer Farbtemperatur von max. 3000 Kelvin, wenn möglich darunter, verwendet werden.

Was können Gewerbebetriebe zusätzlich beitragen?

Die Leuchtdichte von Werbetafeln sollte im Siedlungszentrum max. 100 cd/m2, außerhalb des Zentrums unter 50 cd/m2 sein. Der Untergrund auf Werbetafeln sollte dunkel sein, um ein diffuses Abstrahlen von Licht zu vermeiden. Zudem wenn möglich ganz auf Anstrahlung des Firmengebäudes verzichten. Sollte dies nicht gehen, bitte zielgerichtet nur das Gebäude anstrahlen, so dass kein Licht in die Umgebung abstrahlt. Die Lichtstärke sollte dem Hintergrund (je heller desto weniger) und der Umgebung angepasst (im Dorf weniger als in der Stadt) werden. Die Nutzung insektenfreundlicher Leuchtmittel hilft ebenso. Auch die Beleuchtungszeit sollte zwischen 22 und 6 Uhr angepasst werden: In dieser Zeit bekommt Werbung oder ein angestrahltes Gebäude kaum Aufmerksamkeit. Hingegen kann man mit Umweltfreundlichkeit punkten.

 

Die Vorteile der Reduktion von Lichtemissionen sind offensichtlich: Weniger Lichtemissionen bedeuten weniger Energieverbrauch, also geringere Stromkosten, erhöhen die Lebensqualität für Menschen, Tiere und Pflanzen und erlauben die wahre Ästhetik der Nacht und des Sternenhimmels zu genießen

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