Mehrweg im Würmtal

Wie gehen Würmtaler Gastros und Restaurants mit Mehrwegverpackungen um? Welche Systeme nutzen sie? Wie nehmen die Kunden die angebotenen Möglichkeiten wahr? Wir stellen die besten Lösungen vor.

mehrweg

22 verschiedene Gastrobetriebe in allen fünf Würmtalgemeinden nutzen derzeit unterschiedliche Mehrwegverpackungen für Essen to go. Die Vielfalt der Mehrwegsysteme und das wirklich sehr große Engagement, in Zeiten des Dauerlieferservices und der Speisen-Abholkultur etwas Nachhaltiges und ökologisch Sinnvolles auf die Beine zu stellen, ist beeindruckend. Unterschiede gibt es letztendlich dennoch. Größere Chinarestaurants (China Restaurant Long, China City), der Martinsrieder Inder (Moti Mahal) oder auch die griechischen Restaurants Knossos und Poseidon setzen auf herkömmliche Styroporverpackungen, meist mit Unterteilung für Menüs. „Es ist nicht machbar, dass wir etwas anderes nehmen“, so Knossos-Chef Paschalis Oikonomou. „Wir können die Speisen nicht anders transportieren. Styropor ist sicher und hält warm.“

Was ist sicher und hält warm?

Auch Restaurants mit deutscher Küche achten aufs Warmhalten und den sicheren Transport, greifen aber auf andere Möglichkeiten zurück. „Bei uns wird viel getuppert, beziehungsweise die Leute kommen mit ihrem Geschirr und ihren Brätern“, sagt Oliver Langemann vom Lochhamer Pschorrhof. „Das ist uns recht. Besonders die Bräter sind willkommen, weil die Leute die Speisen zu Hause gleich noch mal ins Rohr schieben können.“ Wer nichts Eigenes vorbeibringt, dem wird auch mal ein Teller vom Pschorrhof geliehen, „und in ganz großen Ausnahmen, quasi als letzte Rettung, dient uns Styropor.“ Ganz ähnlich lautete auch die Auskunft beim Planegger Bräustüberl, das allerdings auch Transportmaterialien aus Pappe und Zuckerrohr verwendet. „Wir haben ein Potpourri aus allem“, so Karolin Kaltenegger vom Bräustüberl. „Für heiße Soßen nehmen wir allerdings meist Hartplastik.“

Styropor hat (fast) ausgedient

In der Kraillinger Brauerei geht man einen Schritt weiter. „Eigenes Geschirr der Leute nehmen wir nicht mehr“, so Betreiber Sabri Konxheli. „Zwei Monate lang haben wir Einweggeschirr probiert. Aber das war uns auf Dauer zu teuer und ökologisch bedenklich.“ Jetzt benutzt die Brauerei Mehrweggeschirr, bestehend aus Salat- und Menüboxen sowie Suppenbecher mit Deckel. Das Geschirr ist tausendmal spülbar und kostet 5 Euro Pfand pro Teil. „95 Prozent unserer Kunden nehmen das, fünf Prozent bleiben bei Materialien aus Zuckerrohr. Das ist eben so. Die Leute sind generell sehr bewusst, was die Müllvermeidung angeht. Uns freut das“, so Konxheli weiter. „Wir haben fast kein Styropor mehr im Haus und verwenden auch kaum noch Plastiktüten.“

Bei La Terrazza und im Mi Casa Su Casa hat Styropor ebenfalls so gut wie ausgedient. „Es gehtaber nicht ganz ohne Plastik“, sagt Chefin Anke Bianco. „Wir haben ein System von Papp- und Papierbehältern. Angefangen von Pizzakartons bis hin zu großen Kisten.“ Das Umweltfreundliche sei allerdings auch „dreimal so teuer“. Weiter sagt sie: „Wir versuchen uns zu ändern, das wollen auch die Leute. Aber es ist nicht einfach.“ Auf der anderen Seite stehe der Müllberg, der durch Anlieferer und Großmarktverpackungen entsteht. „Alles ist extra verpackt. Wir haben sehr viel Müll und bekommen von der Gemeinde dafür viel zu wenig Gelbe Säcke zugeteilt.“ Die abgefragten italienischen Restaurants (Mi Casa Su Casa, Da Rosario) nutzen ebenfalls Kartons, recycelbares Papier und beschichtete Pappe. So übrigens auch das Gautinger Tati beim Kino Breitwand. „Alle Verpackungsmaterialien sind bei uns recycelbar“, erklärt Peter Szabo vom Tati, „entweder aus pflanzlichem Plastik, aus Zuckerrohr oder Papier. Allerdings sind wir noch auf der Suche nach dem Idealen, denn das, was wir benutzen, verliert seine Form, wenn heiße Speisen eingefüllt werden.“ Leider seien aber wertige Behältnisse gleich um sehr viel mehr teurer, so Szabo. „Und wir wollen die Kosten nicht an die Kunden weitergeben müssen.“

sportivaMaisstärkedeckel aus Behindertenwerkstatt

Klaus Holzapfel, der Betreiber des Sportzentrums Martinsried mit seinem Restaurant „Sportiva“ verwendet nur mehr umweltfreundliches Verpackungsmaterial, das in einer Behindertenwerkstatt gefalzt wird. Das i-Tüpfelchen ist ein Deckel aus Maisstärke, der sich in Wasser auflöst. Holzapfel: „Wir haben lange nach einer Alternative zum Plastikdeckel gesucht und unseren Lieferanten von Verpackungsmaterial diese Aufgabe gestellt. Jetzt haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, die wirklich gut zu entsorgen ist.“ Auf sein Sportiva-Logo wollte Holzapfel nicht verzichten und fand auch dafür eine Lösung – die braunen Verpackungen werden miteinem stylischen Label aus veganem Graspapier verschlossen.

Gängiges Modell: Glas mit Kunststoffdeckel

Im Martinsrieder Café „Vor Ort“ finden Lebensmittel in Würmtalbechern, To-go-Bechern, in Brottüten und auf Kuchen-Papptellern den Weg zum Kunden. Für die Menüs, Suppen und Salate werden Glasschalen mit Kunststoffdeckeln zum Transport genutzt. Je nach Größe der Behälter verlangt das „Vor Ort“ 2,50 Euro oder 5 Euro. Dies überlegt sich auch Wolfgang Kiefl für seinen To-go-Bereich. „Wir sind im Austausch mit anderen, zum Beispiel mit dem „Vor Ort“ in Gauting, und haben generell in den vergangenen Jahren schon sehr viel getestet. Und zwar sowohl im Food-Bereich als auch bei unseren Mehrweg-paletten für Pflanzen.“ Er frage sich allerdings, ob Weckgläser mit dem immensen Spülaufwand tatsächlich so umweltfreundlich seien. Im Moment sind Becher aus Keramik mit Silikonabdeckung bei Kiefl im Gebrauch. „Es ist nicht einfach. Im Moment suchen wir nach einer wirklich kompostierbaren Tüte. Auch wenn der Aufwand groß ist, Nachhaltigkeit steht ganz oben auf unserer Agenda.“

 

reformhausREBOWL – Start-up aus dem Norden

Ein komplett anderes System wird in Mayrs Bistro im Reformhaus Mayr verwendet. „Wir haben uns für REBOWL entschieden“, erklärt Cornelia Hock. „Das ist ein Start-up aus dem Norden, das auf Pfandbasis funktioniert und praktisch überall abgegeben werden kann, wo REBOWL genutzt wird.“ Im Würmtal finde man zwar kein weiteres Restaurant, dafür aber in Pasing. „Wir sind damit zufrieden und die Gäste nehmen REBOWL sehr gut an. Ganz anders als den Würmtalbecher, der findet bei unseren Gästen leider weniger Anklang.“

 

Der Renner: VYTAL

In der Gräfelfinger Bahnhofstraße gibt es indes einen kleinen Verbund von Käse Sturm, Sandros Gemüse und Obst und Jaegers FeineKost, die mit ihren Mehrwegverpackungen bereits den Gräfelfinger Umwelt- und Gemeinwohlpreis erhalten haben. „Wir nutzen Pfandgläser in drei verschiedenen Größen, die bei unseren drei Geschäften auch wieder eingelöst werden können. Das ist unser Schritt in Richtung Nachhaltigkeit“, erklärt dazu Uta Sturm. 1 Euro Pfand koste das Glas und es freue sie, dass sich die Kunden immer häufiger für ein Pfandglas entscheiden. Peter Jaeger nutzt aber auch schon etwas Neues: die wiederverwendbaren Verpackungen von VYTAL. VYTAL biete ein rollierendes System für To-go- Food ohne Pfand. „Es funktioniert über Codes, nicht über Pfand“, erklärt Jaeger. „Der Kunde zahlt nichts, muss sich allerdings registrieren. Wir haben bei VYTAL nur eine geringe Anfangsinvestition und werden mit verschiedenen Behältern plus Deckeln ausgestattet. Es ist in meinen Augen ein wirklich perfektes System. Leider scheinen wir im Würmtal die einzigen Interessenten zurzeit zu sein. Kommen noch mehr dazu, dann wird es für.die Kunden auch super bequem.

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