Planegger Archivgeschichte

Archivgeschichte

Da Planegg eine Hofmark war, befanden sich alle relevanten Aufzeichnungen über unseren Ort im Schlossarchiv und wurden durch die Schlossherrschaft verwaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Adelsarchiv konfisziert und ins Stadtarchiv München ausgelagert. Erst nach Kriegsende kam es zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurück.

Nach der Rückgabe an die Schlossbesitzer galt das Archiv lange Zeit als verschollen und tauchte erst überraschenderweise vor einigen Jahren, zur großen Freude aller Ortshistoriker, wieder auf. Dr. Hubert Freiherr von Hirsch übergab im April 2005 sein Adelsarchiv, unter Vorbehalt des Eigentums, dem Staatsarchiv München als Depot. Heute ist das Schlossarchiv Planegg im restaurierten Zustand dort einzusehen und zu Forschungszwecken zu benutzen.

Das Repertorium ist ebenfalls im Gemeindearchiv Planegg einzusehen.

 

Verwaltungsakten entstanden erst nach der Entstehung der Politischen Gemeinde 1848 in Form von Gemeinderatsprotokollen. Leider wurde damals keine besondere Sorgfalt zum Erhalt der Unterlagen aufgewendet. Somit verschwanden viele wichtige und interessante Unterlagen zu unserem Gemeindewesen. Nach dem Umzug ins damals neue Rathaus in der Pasinger Strasse diente für lange Zeit der Speicher und der Keller als Aufbewahrungsorte für das Archivgut aus der Verwaltung.

Als 1907 das Bezirksamt München einen Bericht über das Planegger Gemeindearchiv anforderte, teilte der Bürgermeister dem Bezirksamt mit, dass es keine Akten mit archivarischem Wert gäbe und daher das gesamte ältere Material als Altpapier an die Papierfabrik in Pasing zum Einstampfen verkauft wurde!

Leider besserten sich die Dinge im Laufe der Zeit nicht wesentlich, denn in einer Beilage des Münchner Merkur aus dem Jahre 1954 wird folgendes berichtet:

 

Wünschelrutengänger im Planegger Archiv

Interessante Funde zur Geschichte der Würmtal-Gemeinde

 

Planegg. Anscheinend sind die Idealisten doch noch nicht ganz ausgestorben. Zu diesen heute so seltenen Vertretern des Menschengeschlechts gehört sicherlich der Verwaltungsamtmann a.D. Hanftmann, der Archivpfleger des Landkreises München - Eines schönen Tages - im wirklichen Sinne des Wortes - kreuzte im Planegger Rathaus Herr Hanftmann auf und trug seine Absicht vor, ein Gemeindearchiv anzulegen. „Da haben sie aber Glück gehabt, dass sie nicht ein paar Wochen eher gekommen sind", „sonst hätten Sie nämlich gar nicht in den Kellerraum gekonnt, so voll gepfropft mit Akten war er bis lang. Aber jetzt, nachdem wir den ganzen Aktenkram aus dem Betriebswirtschaftsraum zum Einstampfen gegeben haben, können sie wenigstens in dem Raume stehen und die Türe geht auch wieder zu. Die Fenster können wir zwar noch nicht aufmachen, weil die Aktenberge auch jetzt noch bis zur Decke aufgestapelt sind."

 

Da die Gemeinde Planegg in früheren Zeiten keinen Ortschronisten oder Archivar hatte, übernahm in der Regel der jeweilige Bürgermeister oder ein höherer Verwaltungsbeamter die Betreuung des Archivs. Der Zugang zu den Unterlagen war oftmals ohne weitere  Kontrolle möglich. Dieser Umstand  bedeutete in der Regel Verluste oder Beschädigung von Archivgut.

 

Erst 1989 sollte sich die Situation der Planegger Verwaltungsakten verbessern. Dr. Schuppler, damaliger 1. Bürgermeister unserer Gemeinde, setzte einen ehrenamtlichen Archivar ein. Jetzt war es möglich, erstmals eine rudimentäre Ordnung in die Aktenberge zu bringen und diese handschriftlich zu verzeichnen. Das „Archiv" befand sich immer noch im  alten Rathaus Planegg. Erst durch den Umzug ins „neue" Rathaus in die Passinger Strasse 8 verbesserten sich auch die räumlichen Bedingungen.

 

Unter der Amtszeit der 1. Bürgermeisterin Frau Dr. Höfer wurde das Planegger Gemeindearchiv 1999 erstmals hauptamtlich durch eine Archivarin besetzt. Es erfolgte die Modernisierung des Betriebs. Inhalte und Schwerpunkte der archivischen Arbeit wurden neu gesetzt und bewertet, ein strukturiertes Archivkonzept kam zum Einsatz.

Die nun entstandene Fachdienststelle für Archiv- und Geschichtsdokumentation erreichte durch konsequente Öffentlichkeitsarbeit in Form von Ausstellungen und Dokumentationen die Akzeptanz der Planegger Bevölkerung. Hierdurch wurde die Wahrnehmung des Archivs, das ja ein öffentliches Archiv ist und jeder Bürgerin, jedem Bürger offen steht, im Bewußtsein unserer Bevölkerung fest verankert. Akten- und Sammlungsgut fanden eine archivgerechte Unterbringung in trockenen Räumen die mit modernen Rollregalen ausgestattet waren. Es stand ein Büro für die Archivarin zur Verfügung. An einen dringend gebrauchten Benutzerraum (Lesesaal), eine Werkstatt, ein weiteres Depot, Räume für Verwaltungsliteratur oder die Gemäldesammlung war jedoch aus Platzmangel nicht zu denken. Bereits im Jahr 2000 gab es Überlegungen zum Umzug des Archivs in neue Räumlichkeiten. Doch wohin? Vieles wurde vorgeschlagen - alles wieder verworfen. Neubau? Altbau? Kosten? Während der Amstzeit des 1. Bürgermeisters Herrn Friedmann wurde das ehemalige EON-Gebäude in der Pasinger Strasse 22 erworben und in ein modernes Verwaltungs- und Wohnhaus umgebaut. Durch einen archivgerechten Umbau des Erdgeschosses durch die Architektin Frau Wolf entstand ein allen Anforderungen eines Archives gerecht werdendes modernes Geschichtszentrum, das heute unter Archiv und Galerie der Gemeinde Planegg bekannt ist.

 

E. Klemt

drucken nach oben