Wespen, Hornissen, Wildbienen - Gefährlich oder gefährdet?

Hornisse (aus Wikipedia)

Jeden Sommer das gleiche Ärgernis: Wespen bauen ihre Nester in Rolladenkästen und Dachböden, Hornissen in Gartenschuppen, Hummeln in Erdlöchern direkt neben der Terrasse.  Der Ruf nach Beseitigung der lästigen Mitbewohner wird laut. Wie alle wildlebenden Tiere stehen Wespen und Wildbienen aber gemäß § 39 Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz, Hummeln und Hornissen sind gemäß § 44 sogar besonders geschützt.

Wenn man bestimmte Regeln beachtet, können die Nester in vielen Fällen toleriert werden. Schließlich sind die Sechsbeiner nicht nur geschützt, sondern auch ausgesprochen nützlich: Bei einer Zählung in einem 6stündigen Zeitraum brachten 300 Arbeiterinnen der Gemeinen Wespe 3150 Insekten ins Nest, darunter als Hauptbeute 2500 Fliegen und Mücken. Im Herbst sterben die Völker aller staatenbildenden Faltenwespen bis auf die befruchteten Weibchen (die künftigen Königinnen) außerdem ab und das Nest wird nicht wieder besiedelt. Wenn man ausreichend Abstand vom Einflugloch halten kann, i. d. R. reichen 3 m, besteht überdies keine Gefahr, angegriffen zu werden.

Ist ein Nest nach Abwägung aller Umstände nicht tolerabel, muss zwingend durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) im Landratsamt München geklärt werden, ob eine Beseitigung möglich ist oder ob die Tiere aufgrund ihres Schutzstatus umgesiedelt werden müssen! Dafür hat die Behörde ein Formular zur entwickelt, das man bei Problemen mit einem Nest online ausfüllen und absenden kann. Man bekommt dann umgehend Nachricht, wie es weitergeht.

Ausführliche Infos zur Biologie dieser interessanten und für den Naturhaushalt so wichtigen Tiere und zum richtigen Umgang mit ihnen finden sie z. B. unter www.aktion-wespenschutz.de.

 

Wussten Sie übrigens, dass es allein in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz 561 (!) Wildbienenarten gibt? Heute sind mehr als die Hälfte in ihrem Bestand bedroht und werden deshalb in der Roten Liste Deutschlands geführt, mit steigender Tendenz. Hier ist nicht von Honigbienen die Rede, sondern von zumeist als Einzelgänger lebenden, hochspezialisierten Arten, von ganz klein (ca. 4 mm) bis hin zu den großen Holzbienen oder den Hummeln. Ihre Bestäubungsfunktion ist dabei wie die von Honigbienen, aber auch Wespen, Fliegen und anderen Insekten von immenser Bedeutung! 

Jeder Gartenbesitzer kann übrigens etwas gegen das Insektensterben tun: Helfen Sie Wildbienen, Wespen und Co, aber auch Vögeln und Fledermäusen, indem Sie auf Gifteinsatz verzichten, heimische Sträucher pflanzen, eine kleine Ecke im Garten mit einer artenreichen Blumenwiese gestalten, in einer anderen altes Laub und Totholz liegen lassen!

 

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